Vorbild gefällig? - eine Typologie

Vorbild gefällig- eine Typologie

Jörg Unkrig hat zur Blogparade aufgerufen und möchte wissen, welche Vorbilder uns 2016 bewegen.

Was ist überhaupt ein Vorbild?

Mein erster Impuls bei der Fragestellung ist niemand..

Oder doch?

Natürlich gibt es viele Menschen, die mich, mein Leben und mein Handeln beeinflusst haben und es immer noch tun. Was gibt den einen die Macht, auf mich zu wirken und warum versickern andere Impulse?

Wenn ich genauer darüber nachdenke gibt es für mich verschiedene Formen des Vorbildes.

Der Macher als Vorbild

der macher

Der Macher ist in seinem Gebiet gut, sogar beeindruckend gut..Und er hat etwas, das ihn für mich erst zum Vorbild macht: er besitzt Leidenschaft.

Sie“zwingt” ihn, seine Freude mit anderen zu teilen. Er zeigt oft und gerne, was er kann und ein Teil seiner Mission ist, diese Leidenschaft weiter zu entwickeln, auszuleben und andere damit anzustecken.

Pippo Lionni ist für mich so ein Macher. 1999 war ich als Studentin  auf der Typo Berlin. Das weiß ich noch so genau, weil ich auf diesem Kongress diverse große Design- und Grafikkoriphäen kennen- und lieben gelernt habe. Dieser quirlige Mann hatte ein Thema dabei, dass mich bis heute begleitet.

Ursprünglich ist er Spezialist für Informationssysteme und gestaltet Piktogramme und Infobereiche für große, öffentliche Räume. Einen Flughafen mit Piktogrammen, also bildhaften Zeichen, auszustatten ist nötig und sinnvoll. So erkennt auch der Koreaner oder Jordanier, wo das Klo und der Notausgang sind.

Was sich aber mit diesen “vereinfachten” Zeichen noch alles ausdrücken lässt und wie groß das Potential ist, hat er mit seinen “Facts of Life” gezeigt. Die insgesamt drei Bände (die es leider zum Teil nur gebraucht gibt) sind aus einer Laune heraus entstanden. Pippo Lionni wollte auf einfache, bildhafte Weise seinem Sohn, der noch nicht lesen konnte, die Welt kultur- und sprachübergreifend erklären. Heute noch sind diese Zeichnungen für mich inspirierend!

Charismatiker

charismatikerManche Menschen schaffen es durch ihr Charisma einen großen Eindruck zu hinterlassen. Im Rahmen meiner NLP-Masterausbildung bin ich zu einem mehrtägigen Workshop nach Bad Mergentheim gefahren. Anlass für die lange Anreise waren zwei Tage mit Robert Dilts.

Er ist ein Urgestein des NLP und hat zahllose Bücher und Ansätze zu dem Thema verfasst. Wir alle hatten schon Formate von ihm ausprobiert, Bücher und Artikel gelesen.

Wir waren beeindruckt, wie schnell dieser “Szenestar” das Eis brach, trotz Sprachbarrieren und Jetlag. Mit viel Energie demonstrierte er, dass er nicht nur über Dinge schreibt, sondern sie lebt. Völlig mühelos gewann er in wenigen Minuten die Aufmerksamkeit von 100 Menschen und behielt sie über zwei volle Tage mit klarer, einfacher Sprache und viel Empathie.

Jeder, der in der Erwachsenenbildung tätig ist, weiß wie schwer es sein kann, erwachsene Seminarteilnehmer vor allem nach Pausen wieder in Schwung zu bringen. Für jedes Seminar und jeden Vortrag, die ich plane, ist Robert Dilts für mich ein großes Vorbild: Leicht, locker und elegant lehren…

Das zeitlose Vorbild

Dazu gehören für mich Menschen, die auch Generationen später noch Beispiel für fachliche Exzellenz sind und in einschlägiger Fach- und Ausbildungsliteratur ihren Platz finden. Einstein ist so ein Beispiel, der sowohl mit seinen Zitaten als auch mit dem aktuellen Beweis der Gravitationswellen immer noch eine große Rolle in unserer jetzigen Welt spielt.

Im Bereich Marketing und Werbung ist es für mich David Ogilvy, der bis heute das Werbetexten geprägt hat wie kein anderer. Wer schafft es schon posthum als Blogger aufzutreten (Ja, hier findet ihr erhellende Statements..Auszüge aus seinen “Geständnissen eines Werbemannes”)?

Viele seiner Aussagen sind heute  ohne Einschränkung gültig. Content Marketing versucht mit Inhalt und Mehrwert Interesse zu wecken und so Kunden zu gewinnen. David Ogilvy hat das schon vor langer Zeit beschrieben und empfohlen.

“…Der Konsument wird von Werbung bestürmt. Tausende Marken versuchen, in seiner Erinnerung haftenzubleiben. Wenn Ihre Stimme in diesem ohrenbetäubenden Lärm gehört werden soll, so muss diese Stimme schon etwas Besonderes zu sagen haben. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Stimme unserer Kunden gehört wird…”

Wie ein Ideal dir als Vorbild dienen kann

idealApple ist für mich ein Ideal, dass als kleiner Solounternehmer kaum nachzuahmen ist. Schau dir die Erfolgsgeschichte von Apple und Steve Jobs an. Sie ist voll von großartigen Entwicklungen. Als innovativer Unternehmer hat Jobs auch große Rückschläge hinnehmen müssen. Was ihn für mich zum Ideal macht, ist sein Kampfgeist und seine Leidenschaft: „Do what you love to do“.

Er hat es geschafft, ein schnödes technisches Produkt so mit Emotionen anzureichern, dass fast jeder die Marke Apple kennt und sie ungeachtet der Kritiker als hochwertig und sympathisch empfindet. In vielen Foren versuchen Technerds Alternativen zu beschreiben, die günstiger oder leistungsfähiger sein sollen. Ein echter Applejünger lacht und öffnet sein Macbook.

Was du dir dabei abschauen kannst? Der Erfolg der Marke Apple basiert auf einem konsequenten Marken- und Imageaufbau, der mit viel Emotion gespickt ist.

Überleg‘ dir, welche guten Gefühle dein Produkt oder deine Dienstleistung schafft und wie du das deinen Kunden vermittelst.

Antivorbilder

antivorbilderJa, es gibt sie, die Menschen, die durch ihr Verhalten tiefen Widerstand erzeugen. Mit dem Ergebnis: Sooo will ich auf keinen Fall werden. Im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung ist dies sehr ungünstig formuliert, ich weiß.

Trotzdem: Es gibt Menschen, die auf ihre Art einen Motor in Gang bringen, der sonst vielleicht gar gebaut worden wäre.

Für mich ist das wichtigste Antivorbild mein Kunstlehrer aus der achten Klasse. Er merkte schnell, dass ich seine “langweiligen” Aufgaben immer wieder mit eigenen Ideen schmückte.

Die Proportionen des Menschen standen auf dem Lehrplan. Mein Kunstlehrer stellte uns eine Gliederpuppe hin. Das Ziel war einen nackten Mann oder eine nackten Frau in der richtigen Proportion zu zeichnen.

Pubertierend und mit einem gewissen Schamgefühl ausgestattet blieb mir in meinen Augen keine andere Wahl. Ich malte statt eines Genitals ein formvollendetes Feigenblatt. Das Ergebnis war eine von mir bis heute nicht verstandenen “Vier” mit den Worten, “Susanne, Kunst ist nichts für dich..Das wirst du nie lernen!”

boot_aquarellSo ergriff ich in der Oberstufe die erste Möglichkeit, das Fach Kunst loszuwerden. Mit Erfolg. Jahre später war ich wieder offen für Kreatives, Malen, Zeichnen und Gestalten.

Ich besuchte einen Aquarellworkshop und malte ohne Anspruch, aber mit erstaunlichem Ergebnis die Geltinger Bucht. Die Dozentin überzeugte mich später, statt meines wenig erfolgreichen Philosophiestudiums einen Wechsel in Erwägung zu ziehen. So habe ich Grafik-Design studiert. Vielen Dank Herr Kühn!

Helden des Alltags

held des alltagsAbgesehen von den ganz “Großen” gibt es für mich die Helden im Alltag. Sie sind es, die durch ihre Haltung dazu einladen, genau hinzuschauen. Im besten Fall zeigen sie dir, wie du ganz konkret etwas verbesserst und anwendest.

Helden im Alltag findest du überall, wenn du die Augen offen hältst. Das kann die Erzieherin im Kindergarten sein, die dir mit ihrer Konsequenz zeigt, wie klare und wertschätzende Kommunikation mit Kindern zu einem guten Miteinander führt.

Meine Marketing-Heldin im Alltag ist die Inhaberin meines Lieblingsgeschäfts. Als Gerne-Esserin und Freundin der regionalen Produkte kaufe ich so oft ich kann bei meiner “Bäuerin”.

Sie hat in ihrem Hofladen neben eigenem Gemüse auch Fleisch aus eigener Produktion. Mit viel Liebe zieht sie ihre Puten, Hühner, Schweine und Rinder groß.

Was Rebekka für mich zum Vorbild als Unternehmerin macht: Sie hat immer neue Ideen. Genauer: Die meisten Ideen stammen von ihren Kunden.

Sie hört zu und setzt Wünsche um, die ihr auch wirtschaftlich sinnvoll erscheinen. So bietet sie für die wachsende Zahl der Singlehaushalte geschnittene Wurst in Scheiben an statt wie früher in großen Stücken.

Die Gemüseauswahl ist jahreszeitlich gesehen immer groß und doch wissen viele nicht, was sie kochen sollen. Dann nimmst du dir einfach eins dieser liebevoll handgeschriebenen und kopierten Rezepte mit oder fragst Rebekka einfach. Als gelernte Köchin erzählt sie dir in zwei Sätzen, wie du dein Mahl gestalten kannst.

Auch zum Thema Krisen-PR kann sich mancher Unternehmer von diesem kleinen Hofladen eine Scheibe abschneiden. Als vor ein paar Jahren der Dioxinskandal auch Bio-Eier betraf, reagierte sie prompt. Sie besorgte eine Futtermittelanalyse und ließ ihre Eier untersuchen. Beide Ergebnisse hingen direkt an der Eingangstür.  Das ersparte ihr viele unangenehme Gespräche und hat das Vertrauen gestärkt.

Jetzt hast du vielleicht eine Vorstellung, wie ein abgelegenes Geschäft in der holsteinischen Provinz zu einer treuen Stammkundschaft kommt, die gerne Word-of-Mouth-Marketing betreibt.

Erich Kästner: Bei Vorbildern ist es unwichtig, ob es sich dabei um einen großen toten Dichter, um Mahatma Gandhi oder um Onkel Fritz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.

Mein Fazit:

Auch wenn es uns nicht bewußt ist: Wir alle haben Vorbilder und brauchen sie.

Manche Vorbilder tragen wir einfach in uns und stellen Jahre später fest, wie sehr sie uns beeinflusst haben.

Fazit: Ein gutes Vorbild

  • Ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort
  • Lädt zum nachahmen ein
  • Ist glaubwürdig
  • Inspiriert

Wie sehen deine Vorbilder aus? Wenn dir meine Vorbild-Typologie gefallen hat, schreib‘ mir doch einen Kommentar oder widersprich mir…

2 thoughts on “Vorbild gefällig- eine Typologie

  1. Liebe Susanne,

    dein Beitrag ist mir sehr sympathisch – vor allem das Anti-Vorbild hat es in sich

    Mir ist es fast ähnlich ergangen …

    Für mich seid ihr große Vorbilder: die Blogger, die ihre Posts eigenhändig illustrieren können

    Liebe Grüße
    Dunja

    1. Liebe Dunja!
      Ja, es ist tatsächlich so, dass mein Anti-Vorbild großen Einfluss hatte, wenn auch eher unbewußt. Ich finde vor allem positive Vorbilder wichtig, die einladen, Mut machen und begeistern…So macht Lernen viel mehr Spaß und leichter ist es auch!

      Schön, dass dir meine kleinen Zeichnungen gefallen. Mir macht es viel Spaß zu zeichnen und stundenlang Bilder zu suchen ist mir ein Graus..So ist dieser „Kompromiss“ zustande gekommen.
      Liebe Grüße
      Susanne

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