Social Media Marketing Mythen

Mythen über Social Media Marketing

Vor ein paar Tagen spreche ich mit einem Kunden, den ich schon lange betreue und der jetzt darüber nachdenkt, in den sozialen Medien aktiv zu werden. Er zieht einen Artikel aus einem Fachblatt aus der Tasche, der für Social Media im Handwerk wirbt und hat ein paar Fragen zu Social Media Marketing...Im Gespräch wird mir klar, dass Social Media im Mittelstand noch nicht wirklich angekommen ist.

Marc Ostermann stellt das in seinem Artikel deutlich fest und bezieht sich auf eine Studie der Hochschule Offenburg, nach der 80% der KMU noch kein Social Media Marketing einsetzen. Die Chancen und Möglichkeiten sind groß, aber zunächst geht es darum ein paar hartnäckigen Mythen über Social Media den Kampf anzusagen.

Social Media ist preisgünstig oder sogar kostenlos?

Manchmal kostet Social Media tatsächlich wenig im Verhältnis zu anderen Maßnahmen, aber drei Punkte gebe ich dir zu Bedenken...

  1. Klassische Werbung in Printmedien, Radio oder Fernsehen kostet Geld. Darüber sind sich alle einig. In Social Media Marketing ist das nicht anders. Viele glauben, dass der Mitarbeiter, der sich auch privat gern auf Facebook tummelt, das bisschen Social Media mitmachen kann. Klar ist, dass Social Media mindestens Zeit erfordert, ob von deinem Mitarbeiter oder einem externen Dienstleister. Zeit ist ja auch Geld, oder?
  2.  Im nächsten Schritt braucht ein Social Media Kanal eine professionelle Gestaltung passend zum Unternehmensauftritt. Schließlich sollen sie sich optisch gut einfügen in die gesamte Kommunikation und für den Kunden gut wieder erkennbar sein. Da kann ein Gestaltungsprofi sicher helfen...
  3. Die sogenannte organische Reichweite, also die Erreichbarkeit von Fans und Followern ohne Anzeigen in sozialen Netzwerken sinkt. Also macht es über kurz oder lang Sinn, Geld in deinen Unternehmensauftritt zu investieren. Abgesehen von den Kosten für diese “Social Ads” wird eine Menge Zeit eingesetzt, um Posts zu erstellen, zu recherchieren und Anzeigen zu schalten. Wenn du all dies zusammen nimmst, kennst du deinen Aufwand für Social Media Aktivitäten. Mein geschätzter Kollege Gero Pflueger hat hier einmal ausgerechnet, was dich Social Media Marketing realistisch kostet.
    Hast du dich entschlossen, dein Glück selbst in die Hand zu nehmen, solltest du dich selbst überprüfen, wie viele Stunden die Woche du mit deinen sozialen Kanälen wirklich verbringst. Mit diesem Tool kannst du messen, welche Webseiten und Anwendungen du wie lange genutzt hast. Das bringt dir ein wenig Kontrolle und bietet eine gute Grundlage deinen Arbeitsablauf zu optimieren.

    Update 07.07 : Birgit Schultz hat fast zeitgleich mit dem Erscheinen dieses Beitrags eine Einladung ins Reich der Feen ausgesprochen und beschreibt dir ganz offen, wie viel Zeit sie für Blog, Social Media und die dazugehörige Beziehungspflege investiert. Falls dir Birgits Zeitrechnung ziemlich hoch vorkommt, bedenke, dass sie mit ihrer langjährigen Erfahrung ihre Abläufe beherrscht.

Social Media ersetzt klassische Werbung

Die Hoffnung klassisches Marketing, also Einträge in Branchenbücher, Anzeigen in Printmagazinen oder auch Flyer, Broschüren und Mailings nicht mehr zu brauchen, kann dir erfüllt werden oder auch nicht. Es kommt darauf an…
In welcher Branche bist du unterwegs und wie sieht die Customer Journey deiner Kunden aus? Ich halte nicht viel davon, Altes nur zu entsorgen, um etwas Neues zu machen, wenn es keinen konzeptionellen Grund dafür gibt.

Sicher hast du online und in sozialen Medien viele Möglichkeiten, deine Kunden viel zielgenauer zu erreichen als mit einem Eintrag ins Branchenbuch. Vor allem solltest du wissen, auf welche Weise deine Kunden bisher kommen, welche Wege wenig Erfolg gebracht haben und wie du in Zukunft neue Kunden gewinnen möchtest. Ein richtiger erster Schritt ist eine gründliche Prüfung deines bisherigen Marketings mit der Fragestellung, wovon mehr (weil es gut funktioniert) und wovon weniger(weil es nicht die erwünschten Ergebnisse bringt). Daraus lassen sich die richtigen Schlüsse ziehen, welche Aktivitäten in der Onlinewelt dein Unternehmen nach vorne bringen. Erst dann ist es sinnvoll, die passenden Kanäle auszuwählen und die Inhalte zu planen.

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Social Media Marketing bringt schnellen Erfolg

Wenn du bedenkst, dass der durchschnittliche Neukunde einige Kontakte mit deinem Unternehmen braucht, (in der Schweiz sind es 17Kontaktpunkte, bei Verpackungen einige mehr ) bevor er kauft, wird klar, dass der Traum vom schnellen Erfolg mit Social Media nicht leicht zu erfüllen ist.


Enttäuschend, aber wahr: Social Media Marketing braucht vor allem Konsistenz - inhaltlich und zeitlich. Wenn du dich mal auf Facebook umschaust, wirst du unendlich viele verwaiste Unternehmensauftritte finden, die engagiert angefangen haben, um bald die Segel zu streichen. Der Grund liegt oft im ausbleibenden Erfolg oder auch dem zeitlichen Aufwand eine Fanpage zu betreuen. Sie will gestaltet werden, Posts sollen regelmäßig erscheinen und Kommentare sollten auch beantwortet werden.

Virale Erfolge lassen sich nur bedingt planen. Von Zufällen abgesehen sind sie das Ergebnis von wirklich gut eingesetztem Hirnschmalz, dass sich bei der Auswahl des Inhalts, des Zeitpunkts und der Zielgruppe auszahlt. Das heißt: Erst (viel) denken, prüfen, recherchieren und dann starten.

Social Media sind einfach

Klar, jeder kann ein Profil, eine Fanseite oder einen Youtubekanal eröffnen. Mittlerweile kann auch fast jeder seine selbstgebastelten Flyer bei einer Onlinedruckerei herstellen lassen. Reicht das, um professionell und nachhaltig Social Media Marketing zu betreiben?

Einverstanden, einen Facebookpost abzusetzen ist keine große Sache. Das kann technisch jeder und genau da liegt das Problem. Wo du als technischer Dummy einen Grafiker fragen musst, um dir aus deinem selbstgezeichneten Logo einen skalierbaren Vektor zu zaubern, ist jeder sofort in der Lage, Inhalte schnell auf sozialen Medien zu veröffentlichen.

Meine erste Frage: Ist das Engagement privat oder beruflich? Privat geht es in den sozialen Medien eher um Unterhaltung und Information. Da darf auch ein unperfektes Bild, ein Tippfehler oder eine Umgangssprache in den Einsatz kommen. Beruflich erwarte ich ein gewisses Maß an Professionalität. Das beinhaltet Abläufe zu definieren, technische Möglichkeiten effektiv zu nutzen und positiv auf das Unternehmensimage einzuzahlen.

Ein Beispiel von Überfokussierung auf Technik: In der Schule meiner Tochter ist das Netzwerk nicht gesichert, da der betreuende Lehrer keine Zeit für Benutzerprofile oder Netzwerkadministration hat. So erfreuen sich die zahlreichen jungen Smartphonebesitzer an der kostenloses Bandbreite, was einen Einsatz der Rechner im Unterricht nicht möglich macht. Jetzt  sollen Tablets angeschafft werden, weil “man damit soviel machen kann” Genaue Nachfrage lässt das Fehlen eines Ziels erahnen und dem überlasteten WLAN begegnet man dort mit einem schriftlichen Nutzungsverbot in der Schulordnung. Aha. Meine Oma hat schon gesagt, man muss nicht alles tun, was man tun könnte, vor allem wenn das Ziel nicht klar ist und die Grundlage fehlt.

Um soziale  Medien erfolgreich für dein Unternehmen einzusetzen, brauchst du wie bei allem anderen auch ein Konzept, das die fünf W’s beantwortet: Was, warum, wer, wie und bis wann.

Das kann jeder, oder?

Schon Goethes Zauberlehrling hat die Erfahrung gemacht, was passiert, wenn bestimmte Mechanismen aus Unwissenheit angestoßen werden, die so leicht nicht wieder aufzufangen sind. So ähnlich ist es mit Social Media Aktivitäten. Die geringen technischen Hürden verleiten den einen oder anderen dazu, etwas zu veröffentlichen, das anders als eine Drucksache zum Beispiel nicht gründlich Korrektur gelesen wurde oder inhaltlich das Unternehmen nicht gut repräsentiert. Jede (gute) klassische Werbekampagne wird strategisch aufs Unternehmen ausgerichtet, getextet und geplant. Meistens sind Profis beteiligt, die beraten, recherchieren und umsetzen.

Anders gesagt: Know-How ist unerlässlich und das gilt auch für Social Media. Es gibt also gute Gründe, deine Kanäle von Profis pflegen zu lassen. Entschließt du dich dein Social Media Management in dein Unternehmen zu integrieren, sorge für das ausreichendes Wissen bei dir und deinen Mitarbeitern. Anders als bei einem regional verteilten Flyer mit Druckfehlern kann ein Fehltritt in kurzer Zeit weiterverbreitet werden und deutlich mehr Menschen erreichen. Für diesen Fall solltest du eine Krisenstrategie in der Schublade haben, um schnell und gezielt größeren Schaden abzuwenden.

Fazit:

Social Media Marketing

  • kostet Zeit und Geld
  • erfordert Geduld
  • basiert auf einem Konzept
  • setzt Know-How voraus
  • und sollte gut in einen Medienmix eingebunden werden

Welchen Social Media Mythos kennst du, der sich hartnäckig hält?

Erzähle mir davon in den Kommentaren!

2 thoughts on “Mythen über Social Media Marketing

  1. Hallo Susanne,

    wo kann ich unterschreiben? 🙂

    Diese Mythen sind (auch) für mich leider keine Erzählungen, sie gehören immer noch zum Beratungsalltag. Leider! Es ist manchmal erschreckend, wie blauäugig manche (gar nicht mal kleine Unternehmen) mit ihrer Außendarstellung, ihrer Positionierung und ihrer Reputation umgehen.

    Allerdings (und das gibt mir Hoffnung!) treffe ich auch immer häufiger jüngere Firmenchefs und Marketingverantwortliche, die verstanden haben, welches Potenzial ihnen da zur Verfügung steht.

    Nun ja, wir werden es jetzt und hier nicht ändern können. Ich persönlich bin gespannt, wie sich das Thema Social Media in der Unternehmenskommunikation (von KMU) weiterentwickelt.

    Besten Dank für den Beitrag, der mir vor lauter Nicken eine Verspannung im Nacken eingebracht hat. 🙂

    LG Marc

    1. Hallo Marc,
      schön, dass du mir zustimmst, auch wenn mein Ansinnen nicht war, dir Nackenschmerzen zu bescheren…;-)

      Bisher ist (fast) alles, was andere Länder erfolgreich in der Wirtschaft machen irgendwann auch in Deutschland angekommen, auch wenn es seine Zeit braucht. Das wird auch bei diesem Thema der Fall sein. Ob wir jedoch schnell genug sind, um den Anschluss an besser digitalisierte Länder zu bekommen, wird sich herausstellen.
      Als Optimistin glaube ich fest daran: Doch, wir können etwas ändern, indem wir immer wieder darüber reden und die Botschaft des ungenutzten Potenzials unverdrossen weiter in die Welt tragen.
      Liebe Grüße
      Susanne

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