#rpTEN – mein persönlicher Recap

TEN is NET

Vor wenigen Wochen ist die re:publica 2016 zu Ende gegangen und ich bin endlich dazu gekommen, das Ganze Revue passieren zu lassen.

Gut vorbereitet mit den #rpTen-Apps bin ich pünktlich am Montag morgen da und habe genug Zeit mich zu orientieren, was bei diversen Bühnen und Sonder-Locations dringend notwendig ist. Mein Auftakt ist die offizielle Eröffnung mit den Gründern und Organisatoren der angeschlossenen Media Convention. Tanja Häusler erklärt, warum es dies Jahr zwar kein besonders originelles aber doch einleuchtendes Motto gibt: TEN, was gespiegelt NET ergibt; ein Wortspiel, dass sich mit vielen Spiegelflächen überall zeigt.

Markus Beckedahl – Fight for your digital rights

#rpTEN - Markus Beckedahl
#rpTEN – Markus Beckedahl

Der Einstieg: Markus Beckedahl von Netzpolitik.org appelliert: Fight for your digital rights. Seine Liste von Schwierigkeiten, denen wir als Bürger in einer immer digitaleren Welt Herr werden müssen, ist erschreckend lang. Einiges ist mir bereits bekannt, über andere Dinge werde ich nachdenken müssen. Themen wie Smart Homes und Smart Cities sind in meinem Alltag noch nicht angekommen.

Fazit: Wir brauchen eine an die digitale Welt angepasste Gesetzgebung, Fachleute die bei der Gesetzesentwicklung helfen und mehr Bewusstsein bei uns allen, auch in der Rolle des Verbrauchers.

Game for Good – ein Abenteuerspiel für einen guten Zweck

#rpTEN- Game for Good
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Ein schönes Beispiel dafür, wie Big Data für eine gute Sache genutzt werden ist Seaheroquest. Für dieses Adventurespiel  haben sich Wissenschaftler und Spieleentwickler zusammengetan, um möglichst viele Daten für die Forschung zu sammeln.

Die Idee: Ein Spiel, dass Spaß macht und hilft, herauszufinden wie gesunde Menschen sich orientieren. Mit diesen Daten sollen neue, effektivere Therapien entwickelt werden, um der wachsenden Zahl Demenzkranker zu helfen, die im Laufe dieser Krankheit mehr und mehr ihre Orientierung verlieren.

Günter Dueck – Cargo Kulte

#rpTEN - Cargo Kulte
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Wer Günter Dueck bereits zugehört hat, ahnt, dass dieser Mann locker vor sich hin plaudernd auch zum Thema Cargo-Kulte kaum einen Stein auf dem anderen lassen wird..Die (vielen) negativen Kommentare unter seinen Videos bei Youtube zeigen, wie sehr er damit dem einen oder anderen auf die Füsse tritt. Er trägt es mit Fassung und ich finde, wir brauchen mehr Günter Duecks, die wenig hilfreiche „Traditionen“ so charmant entlarven.

 

In seinem Vortrag Cargo Kulte zeigt er eine Reihe von Phänomenen, bei denen der Kult den Realitätssinn scheinbar besiegt..Er nimmt die Firmenkultur aufs Korn, bei der die Dinge, die ein Unternehmen nicht kann, lieber auf die Tasse geschrieben werden, statt grundlegend etwas zu verändern. Auch Politik und Bildungssystem bekommen ihr Fett weg, wenn es darum geht, dass die Zustände eher idealisiert werden, statt ins Tun zu kommen.

Die Beispiele von Günter Dueck polarisieren und das sollen sie auch. Wenn du auch schon einmal in einem endlosen Meeting gesessen hast, dass mit konfusen Nicht-Beschlüssen geendet hat, weißt du, wovon der Mann spricht…

Persönlichkeitsrechte: Kontext is King!

#rpTEN - Persönlichkeitsrechte
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Der Workshop von Ansgar Koreng und Roman Portack zum Thema Persönlichkeitsrecht bringt für mich ein wenig Licht in die diversen Schichten, die sich zwischen der Öffentlichkeit und der engsten Intimssphäre befinden und was Medienschaffende dabei beachten sollten.

Bisher war mir nicht klar, dass bei Bildern von Kindern immer beide Erziehungsberechtigten einwilligen müssen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kindergärten, Tagesstätten und Schulen, Bilder von ihnen anvertrauten Kinder veröffentlichen, ohne sich ordnungsgemäß abgesichert zu haben.


Die Abgrenzung zwischen Meinungsfreiheit und Tatsachenbehauptung erscheint deutlich schwieriger. Das ist eine Herausforderung für alle, die als Social Media Manager mit “fremden” Statements auf ihren Fanseiten und Websites zu tun haben. Was tue ich, wenn da Dinge behauptet werden, die ich selbst nicht prüfen kann? Bin ich verantwortlich, für das was meine Besucher schreiben?

Auch da gibt es die Antwort: Es kommt auf den Kontext an…Beide Juristen empfehlen den Dialog mit den entsprechenden Personen zu suchen und notfalls entsprechende Kommentare zu entfernen, die andere Besucher eventuell in Misskredit bringen oder an den “Pranger” stellen..Im Zweifel bleibt dir nur fachlichen Rat zu holen.

Digital Storytelling

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Isa Sonnenfeld von Google gibt in ihrem Vortrag einen Überblick mit welchen Tools die Recherche und Umsetzung von digitalen Geschichten für Journalisten und Marketer erleichtert werden können.

Das Google Newslab ist als Plattform im Aufbau. Dort sind diverse Tools rund ums Storytelling gebündelt und Tutorials helfen, um möglichst effektiv zu recherchieren und Daten auch in visueller Form zu nutzen. So gibt es neben Google Trends auch die Möglichkeit Karten zu erstellen, die lokale Daten zu einem Thema zeigen oder historisches Kartenmaterial zum Vergleich zu nutzen.

 

 In Place of War – Kultur im Kriegsgebiet

#rpTEN - In Place of War
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Ruth Daniel von In Place of War zeigt eindrucksvoll mit einigen Beispielen, warum Kunst und Kultur gerade in Kriegsgebieten so wichtig ist. Mit ihrer Organisation hilft sie Künstlern sich zu vernetzen und unterstützt kulturelle Angebote in politisch unruhigen Gebieten. Sie nimmt in ihrem Vortrag die Frage vorweg, warum es Sinn macht Geld für Kultur statt für Hilfsgüter in Kriegsgebieten zu “investieren”.

Ihre Argumente sind überzeugend. So bringt Kunst und Musik die Menschen einander näher, vernetzt sie in ihrer Not und verhindert an vielen Stellen eine perspektivlose Radikalisierung, die die politischen Zustände mancherorts noch weiter verschlimmert. Musik, Kunst und Kultur macht uns zu Menschen und gibt Hoffnung. Ich wünsche ihr und ihrer Organisation viel Erfolg.

Politik von alten Säcken?

#rpTEN - Politik von alten Säcken
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Der Titel des Vortrags ist  eine Provokation in sich und es kommt am Ende, wie es kommen muss..Ein Zuschauer fragt, ob er sich mit über 50 da mit einreihen muss…

Schade, Wolfgang Gründinger reagiert wenig souverän und schießt zurück, er hätte sein Publikum für intelligent genug gehalten, den Vortragstitel richtig zu verstehen. Dabei ist das Thema wichtig: Werden wir regiert von Menschen, die so weit weg sind von der Digitalisierung, dass sie zu wenig verstehen, was da passiert, um sinnvoll für uns Bürger die richtigen Weichen zu stellen?

Mit einigen Beispielen macht Wolfgang Gründinger klar, dass Deutschland an vielen Stellen ein digitales Entwicklungsland ist und einen großen Nachholbedarf hat. Die Politik ist zurückhaltend und zeigt sich oft digital unbeleckt und unbeteiligt. Es scheint eine unterschwellige Angst vor dieser digitalen Welt zu geben, die auch vor Intellektuellen nicht halt macht und leider wenig hilfreich ist, um Dinge zu gestalten.

Unter den OECD Ländern ist Deutschland das Schlusslicht, wenn es um die Nutzung der sozialen Medien geht. Mit den Protesten zu Google Street View ist die schwelende Angst ganz deutlich an die Oberfläche gekommen. Gründingers Appell lautet: Schaut in die Geschichte und ihr werdet viele Beispiele finden, in denen Innovationen zunächst abgelehnt wurden und gefürchtet wurden. So erwähnt er die Gurtpflicht, die bei der Einführung einen Protesthagel auslöste. Auch der Eisenbahnbau erzeugte große Skepsis; Züge mussten in Schrittgeschwindigkeit fahren, um Unfälle mit Fußgängern zu vermeiden.

Eine Lösung, zumindest eine schnelle, um die Zurückhaltung und Skepsis zu überwinden? Vielleicht ist es wirklich die Investion in digitale Bildung.

Snapchat für Erwachsene

#rpTEN - Snapchat für Erwachsene
#rpTEN – Snapchat für Erwachsene

Es ist ein Phänomen: Da ist bei der Media Convention einer der großen Räume gerammelt voll und ein Haufen Menschen aus Marketing und Journalismus warten darauf, einem 14jährigen jungen Mann von den Lippen abzulesen, wie sie dieses Snapchat kapern können.

Für mich ein eher ernüchternder Vortrag. Joshua macht klar, dass die Teenies mit Snapchat eine Möglichkeit gefunden haben, zumindest für eine Weile sicher vor Mama, Papa und den Großeltern zu sein – und es gern bleiben wollen. Da suchen Jugendliche das, was bei Instagram und Facebook nicht möglich ist..eine vergängliche, nicht perfekte Welt, die morgen keine Altlasten mehr birgt.

Auf die Frage, wie man (als Marketer) diese jungen Menschen erreichen kann, antwortet er, dass er sich allenfalls Kooperationen vorstellen kann. Das Zentrum des Interesses bei Snapchat sind Freunde, die sich untereinander austauschen und wenige Plattformen wie Buzzfeed und Co. dringen in den Feed vor. Joshua sagt auch, wenn Mama, Papa und die anderen alten Leute kommen, werden seine Freunde und er abwandern.

Am TINCON Stand wird Joshuas Einschätzung geteilt: Bei Snapchat geht es um schnellen, lustigen, sinnfreien Spaß unter Freunden. Da mir der Snapchat Workshop, der auch auf der Media Convention stattfand viel zu voll war, habe ich die “Luxusvariante” gewählt.  Die TINCON Botschafterinnen zeigen mir im persönlichen Snapchat Crashkurs, welche Funktionen die App hat und wie sie über Snapchat kommunizieren.

Mein Fazit: Snapchat ist tatsächlich anders, als alles was es bisher gab. Während des Filmens mit der Snapchat-Kamerafunktion kannst du sogar von der Frontkamera auf die rückwärtige wechseln. Das ist mit normalen Kamera-Apps nicht möglich. In eine solide Contentstrategie eingebettet, ist die Nutzung von Snapchat sicherlich eine Bereicherung.

Und sonst?

Sascha Lobo haut mit „The Age of trotzdem“ in einige Kerben, die auch für Markus Beckedahl schon ein Thema waren: Mangelnde digitale Bildung, fehlende Rechtssicherheit in vielen Bereichen…So führt er zum Beispiel aus, dass ITunes-Nutzer oder E-Book-Käufer trotz eines legalen Kaufs nicht wirklich frei über ihren Besitz verfügen können, wenn ein Update verhindert, dass Musik zugänglich ist oder das Buch an Freunde verliehen werden kann, weil es der Kopierschutz verhindert.

Sein Appell: Und Trotzdem! Insgesamt amüsant, auch wenn ich Sascha Lobos Versuche, das Publikum zu einem Sprechchor zu animieren sinnentleert und nervig finde. Ja, es gibt einiges zu tun im digitalen Raum und trotzdem bin ich wie viele andere auch froh, dass es das Netz gibt.

Eric Jarosinsky alias @neinquarterly ist für mich als Fan ein Muss! Ich geniesse seinen Wortwitz den er mit gut ausgesuchten Bildern amüsant ausschmückt. Empfehlenswert!
Ich freue mich auf Johannes Kretzschmar und Anna Lena Schiller, die einen kurzen Überblick zu Sketchnotes und Co. geben. Kurzweilig und amüsant nehmen die beiden mich mit auf eine Reise durch die Welt der “Stiftsprache”.

#VR und 3D auf der #rpTEN!

Ich habe mich sehr gefreut, dass Virtual Reality einen großen Themenkomplex auf der re:publica einnimmt. Ich versuche ich mir einen Überblick zu den aktuellen Möglichkeiten zu verschaffen. Der Stand des ZDF hat tolle Beispiele von VR in der Filmproduktion im Gepäck. Mehr Infos zum VR Projekt des ZDF findet ihr auf der Internetseite.

Auch Google verteilt freigiebig die Cardboard Brille und bietet die Möglichkeit sie auszuprobieren. Die IPhone-Nutzer sind zur Zeit noch ein wenig im Hintertreffen, da die Cardboard App, die notwendig für die Nutzung ist, für IOS noch nicht verfügbar ist. Auch in den begleitenden Ausstellungen zeigen Künstler und Softwareschmieden wie sie Virtual Reality einsetzen und was bereits möglich ist. Ob es die Steuerung eines Autos mit Gesten ist oder das Komponieren von Musik. Ich bin jedenfalls beeindruckt!

3D - Entwurf und Ausdruck
3D – Entwurf und Ausdruck

Autodesk, ein Softwarehersteller präsentiert auf der Ausstellungsfläche in unterschiedlichen Materialien, was mit 3D Druck alles möglich ist. Modelle aus Kunststoff, Holz und Metall demonstrieren die vielfältigen Einsatzbereiche von 3D Druck. Im Laufe der Republica entsteht unter anderem für die Paracycling Weltmeisterin Denise Schindler eine angepasste Prothese.

In einem Workshop auf dem Makerspace nutze ich die Möglichkeit ein eigenes Design zu erstellen und mit Kunststoff auszudrucken. Die netten Jungs vom fablab Berlin unterstützen dabei. Engagiert und disziplinübergreifend wird gebastelt, getüftelt und gebaut. Kein Wunder, dass die Workshops sehr gefragt und meist ausgebucht sind.

Zum Schluss: ein großes Lob

die mobile Bank vor der Tür
die mobile Bank vor der Tür

Vor, während und nach der re:publica 2016 ist bereits einiges über diese Konferenz geschrieben worden. Die einen loben, die anderen appellieren an eine Erneuerung…Wie alles eine Sache der Perspektive, ob eine Veranstaltung mit zehnjähriger Tradition und  8000 Teilnehmern, davon 4000 neuen Besuchern,  gelungen ist oder nicht. In meinen Augen ist diese Konferenz über drei Tage ein echtes Highlight, das zudem mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis ausgestattet ist.  Du bekommst eine Riesenauswahl an Vorträgen, interessante Workshops, jede Menge Inspiration und spannende Gespräche mit vielen netten Menschen geboten. Mir hat es gefallen und ich werde wiederkommen!

Zum Schluss möchte ich noch ein großes Lob an die Organisatoren loswerden, die an fast alles gedacht haben…Vom Gepäckzelt, über Catering über das Gelände verteilt bis hin zum Geldautomat..wirklich gelungen.

Danke für drei tolle Tage!

Wenn du auch auf der re:publica warst oder Beiträge dazu gesehen und gelesen hast, erzähle mir doch von deinen Eindrücken und hinterlasse einen Kommentar!

2 thoughts on “#rpTEN – mein persönlicher Recap

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für mich war die rpTEN die erste Republica, die ich besucht habe und die Menge an Input hat eine Weile gebraucht, um von mir sortiert und eingeordnet zu werden. Dann war es „leicht“, meine Eindrücke zu teilen.

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